Die Dramatiker Union - Geschichte

Die Dramatiker-Union ist der älteste überregionale Autorenverband in Deutschland.
Gegründet wurde sie am 12.7.1871 in Leipzig als "Deutsche Genossenschaft dramatischer Autoren und Komponisten", und am 12.9.1871 in das gerichtliche Genossenschaftsregister eingetragen.
Gründungsvorsitzender war der Rechtsanwalt Hans Blum, Schatzmeister der Komponist und Kapellmeister Carl Reinecke und Schriftführer Carl Wirth-Reykers. Die Mitglieder des Vorstandes hatten ihren Wohnsitz in Leipzig, Berlin und München. Zu Ehrenmitgliedern ernannte man, dem Usus folgend, die Königlichen Hoheiten Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar und Prinz Georg von Preußen.
Die Genossenschaft errichtete in einigen Ländern Generalvertretungen, z.B. in Kopenhagen, London, Wien, Riga, Stockholm, Madrid, New York und Mailand, jeweils repräsentiert durch Schriftsteller und Komponisten, aber auch durch Anwälte, Kaufleute oder Intendanten.

Unter der Bezeichnung Verband Deutscher Bühnenschriftsteller gründeten die Theaterautoren dann am 24.3.1908 in Berlin eine Standesvertretung, mit der sie den Kampf gegen die Ausnutzung beginnen wollten. Dem Aufruf zur konstituierenden Versammlung folgten 38 Persönlichkeiten, u.a. Hermann Sudermann und Ernst von Wildenbruch. Am 1.6.1908 wurde dieser Verband als Genossenschaft eingetragen; 1911 jedoch in einen e.V. umgewandelt, zu dessen ersten Mitgliedern die Brüder Carl und Gerhart Hauptmann zählten.
“Die Rampe”, das Jahrbuch des Verbandes, beschrieb 1911 die Aufgaben und Ziele:

* "Den Theateragenten gegenüber soll die Festsetzung eines Minimalvertrages angestrebt werden ...
* Den Theatern gegenüber soll auf Festsetzung eines obligatorischen Normalvertrages hingewirkt werden ...
* Als ferneres Ziel ... ist die Schaffung einer Rechtsschutzstelle in Aussicht genommen ...
* Eine weitere Aufgabe ... ist die Regelung des Verhältnisses zu Bühnenverlegern, Presse und Behörden..."

Ausserdem sollten zu verwandten Berufsgruppen des In- und Auslandes vertragliche Beziehungen aufgenommen werden. Der Verband setzte sich von Beginn an das Ziel, die beruflichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen seiner Mitglieder zu vertreten, ohne auf die geistige und künstlerische Freiheit des Einzelnen irgendwie Einfluss nehmen zu wollen.

Auf Initiative von Richard Strauss und Eduard Künneke traten 1919 die Komponisten der Organisation wieder bei, die nun den Namen "Verband Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten" erhielt.
Im gleichen Jahr kam es zum Zusammenschluss der Theaterverlage in der Vereinigung der Bühnenverleger. Aus dem Gegeneinander sollte nun endlich ein Miteinander werden. Am 1.7.1919 schlossen die Verbände der Autoren und Verleger mit dem Deutschen Bühnenverein einen Kartellvertrag ab. Die drei Organisationen einigten sich auf einen Rahmenvertrag, der dem Geschäftsverkehr zwischen Autor und Bühne - unter Einbeziehung der Verleger - eine feste Grundlage gab. In den Folgejahren wurde durch die Rechtsprechung des inzwischen eingerichteten Bühnenschiedsgerichts das Vertragswerk weiter verbessert.

Am 12.5.1926 erreichte der Autorenverband durch Reichsgerichtsurteil, dass den Autoren für die Ausstrahlung durch die Rundfunkanstalten ein Entgelt gezahlt werden musste. Im gleichen Jahr gründete er auf Anregung von Hermann Sudermann ein Kontroll- und Inkassoinstitut: die Zentralstelle der Bühnenautoren und Bühnenverleger, deren Gesellschafter beide Verbände wurden. Ebenfalls 1926 gab der Verband die erste Nummer seiner Zeitschrift “ Der Autor” heraus. Als verantwortlicher Redakteur zeichnete Richard Bars, der Gründer und langjährige Direktor der Zentralstelle.

Aufgrund des am 22.9.1933 verabschiedeten Reichskulturkammergesetzes unterstand der Verband der Reichstheaterkammer, um die einheitliche Pflege des nationalen deutschen Theaters gewährleisten .zu können. Noch im selben Jahr jedoch wurde der Reichsverband Deutscher Schriftsteller ins Leben gerufen, in dem es eine besondere Fachschaft Bühnenschriftsteller gab, die damit wieder aus der Theaterkammer ausschieden. Der Verband war nun zwar zu einer Zwangsorganisation geworden, blieb aber dennoch als eigener Verein - mit einer beschränkten Selbständigkeit - bestehen.

Nach dem 8.5.1945 schlossen sich die Bühnenautoren zunächst im Schutzverband deutscher Autoren zusammen. Im Jahr darauf war jedoch der alte Verband wieder reorganisiert, zunächst allerdings - der politischen Spaltung entsprechend - in zwei Teilorganisationen mit Sitz in Frankfurt/Main und Berlin. 1951 schlossen sich die Dramatiker dann wieder in einem Verband zusammen, der den alten Namen erhielt und dessen erste Nachkriegspräsidenten Wilhelm von Scholz und Eduard Künneke wurden.

Auf Beschluss der Mitgliederversammlung vom 6.10.1970 erfolgte die Umbenennung in Dramatiker Union (Schriftsteller und Komponisten von Bühne und Film, Funk und Fernsehen). In dem neuen Statut wurde die nationale Bindung aufgegeben und allgemein von deutschsprachigen Dramatikern gesprochen. Folgerichtig erklärten 1972 die Dramatiker-Verbände Österreichs und der Schweiz ihren korporativen Beitritt. Eine andere Erweiterung lag in der Vergrösserung des Aktionsbereiches: neben dem Theater wurden nun auch die Medien Film, Funk und Fernsehen einbezogen, wo die Vertragsbeziehungen und der Schutz der Urheber-Interessen ebenfalls seit langem einer Neuregelung bedurften.

Gegründet wurde auch die “Neue Zentralstelle”, wieder gemeinsam mit dem Bühnenverleger-Verband und mit unveränderter Zielstellung. Nach erfolgreicher Tätigkeit geriet diese Ende der 90er Jahre in eine Krise und musste zum 31.12.2000 in Liquidation gehen. Die Verleger, genau: der “Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage” gründeten deshalb eine “Zentralstelle Bühne Service” (ZBS) zur Fortsetzung und Erweiterung der Aufgaben der NZ, in deren Beirat die DU paritätisch vertreten ist.

1988 - 1999 erschien wieder “DER AUTOR”. Die “Titelgeschichten”, die den einzelnen Ausgaben vorangestellt wurden, waren im Wechsel jeweils einem Komponisten oder einem Schriftsteller gewidmet. Gegenwärtig steht der Aufbau umfassender Internet-Information im Vordergrund.

Die Dramatiker Union ist Mitglied von Dachverbänden wie

* dem Deutschen Kulturrat
* dem Deutschen Musikrat
* und dem ITI, dem Internationalen Theaterinstitut.

Sie beteiligt sich an der Tätigkeit von Arbeitsgruppen wie der "Initiative für die Reform des Urhebervertragsrechts".

Im November 2003 gründete die DU, vertreten von Präsident Gerd Natschinski, auf einer Tagung in Madrid gemeinsam mit den spanischen, französischen und portugiesischen Autorenverbänden einen europäischen Dachverband, an dessen Statut gearbeitet wird, und der alle nationalen Verbände zum Beitritt einlädt.

Mitglieder des erweiterten Vorstandes waren in den letzten Jahrzehnten u. a.: Curt Flathow, Boris Blacher, Norbert Schultze, Günther Schwenn, Herbert Trantow, Carl Orff, Werner Egk, Wilhelm von Scholz, Fritz von Unruh, Robert Stolz, Günther Weisenborn, Hans Chemin-Petit, Erich Kästner, Carl Zuckmayer, und Wolfgang Fortner.

In Ihrer mehr als 130jährigen Geschichte haben die in der DU organisierten Schriftsteller und Komponisten bedeutende Fortschritte im Urheberrecht sowie in der sozialen Stellung aller Dramatiker mit erkämpft, und das nicht nur für ihre Mitglieder, sondern für alle Autoren der dramatischen Kunstgattungen. Damit wurde auch ein wichtiger Beitrag zur Theater- und Medienkultur im deutschsprachigen Raum geleistet.

Gegenwärtig bestimmen Probleme der sich sprunghaft entwickelnden Medientechniken, kommunaler Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Theater und Kulturstätten sowie Einflussnahme auf die Weiterentwicklung des Europäischen und Nationalen Urheberrechts die weitere Arbeit unseres Berufsverbandes. Es gilt nicht nur weitere Fortschritte zu erzielen, sondern auch das bisher Erreichte zu verteidigen.

Eine Chronik aus dem Jahre 1977 schliesst mit der Feststellung: “Manches ist seit 1871 erreicht worden, aber vieles bleibt noch zu tun. Dies ist für den einzelnen Autor meistens kaum oder gar nicht realisierbar, sondern nur durch eine starke Berufsorganisation können in langen und schwierigen Auseinandersetzungen entsprechende Erfolge erzielt werden ... Die Vorteile kommen zwar allen Kollegen zugute, dennoch ist es eine Frage der Solidarität, Mitglied der Dramatiker-Union zu sein.”